How-to: Der Weg zum Business Angel

„How-to: Der Business-Angel-Guide“  ist eine Einführung in die spannende Welt der Startups. Die Beitragsreihe ist Ratgeber, Erfahrungsbericht und Hilfestellung für die ersten Schritte als Business Angel. Sie macht deutlich, was die Entscheidung, ein junges Unternehmen aktiv zu begleiten und finanziell zu unterstützen, bedeutet. Denn Business Angel sein: Dazu gehört neben Kapital eine ordentliche Portion Leidenschaft!

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Teil 1: Business Angel Michael Zerbin erzählt von seinen Anfängen als Investor, seiner Motivation sowie einem überraschenden ersten Investment. 

Stars wie Ashton Kutcher und Jared Leto tun es. Will Smith ist dafür bekannt. In Deutschland gehört Moderator Joko Winterscheidt zu den prominenten Beispielen, ebenso Nico Rosberg und Fußball-Profis wie Manuel Neuer und Mario Götze. Sie alle investieren in Startups. Die Investition in vielversprechende, innovative Jungunternehmen ist in den vergangenen Jahren ein zunehmend lukrativer Trend geworden. Jedoch sind es die wenigsten der sogenannten Business Angels, zu Deutsch Unternehmens-Engel, die in der Öffentlichkeit wirklich präsent sind. In Deutschland gibt es nach Schätzungen rund 10.000 – genau lässt sich die Zahl nicht beziffern. Einer von ihnen ist Michael Zerbin. Sein Weg als Business Angel begann vor circa einem Jahr. 

„Ich war auf der Suche nach einem spannenden Investment abseits der klassischen Möglichkeiten wie Aktie, Wertpapiere oder Immobilien“, sagt der Münchner. Wie wurde aus der Idee das erste Investment?

Was ist ein Business Angel?

Spätestens das TV-Format „Die Höhle der Löwen“, in der Menschen vor finanzstarken Business Angels um Geld für ihre Geschäftsidee werben, weckt bei seinen Zuschauer*innen das Interesse an der Welt der Startups, Pitches und Dealflows und zeigt: Die Investition in Startups kann unglaublich spannend sein! Die Wahl des Engels als Leitbild der Business Angel hat Symbolkraft. So steht ein Flügel für das Kapital, was die Privatinvestor*innen jungen Unternehmen zur Verfügung stellen. Neben der finanziellen Seite bringen sie aber auch ihr persönliches Knowhow und Netzwerk ein, um die Gründer*innen durch Beratung und Kontakte zu unterstützen.

Mehr als eine bloße Geldanlage: Bei Startup-Investments spricht man häufig von sogenanntem "Smart Money".

Bei Michael Zerbin waren es berufliche Veränderungen, die dazu führten, dass sich der Unternehmer, der lange in der Konsum-Güter-Branche tätig war, mit dem Thema Startup-Investment intensiv auseinanderzusetzen begann.

Ich habe gemerkt, dass ich in der Rolle des Business Angel einen Benefit für ein Startup darstellen könnte, als Berater, durch mein Netzwerk - ich wollte nicht nur durch Geld, sondern darüber hinaus unterstützen.

Gerade weil die Engel meistens dann eine wichtige Finanzierungsoption darstellen, wenn Startups vor der Gründung stehen oder gerade erst gegründet wurden – man spricht dabei von Frühphasen wie der (Pre-)Seed-Phase und Startup-Phase – ist die gebotene Expertise für die Gründer*innen ungemein hilfreich.

(Pre-)Seed-Phase

Startup ist noch nicht gegründet, es wird an einem ersten Prototypen gearbeitet. Sie wird meist durch Fördergelder und die Gründer*innen selbst finanziert.

Startup-Phase

Startup ist gegründet, es werden erste Umsätze generiert. An dieser Stelle ist ein guter Business Angel als Finanzierungsoption gefragt.

Series A

Die erste Wachstums-finanzierung ist besonders für Venture-Capital-Gesellschaften relevant. Business Angel beteiligen sich meist mit kleineren Tickets.

Series B

Das Startup verfügt über einen festen Kundenstamm, arbeitet profitabel und will in neue (internationale) Märkte wachsen. 

Startups – Investmentmöglichkeit der anderen Art

2019 wurden in Deutschland weit über 6 Milliarden Euro in Startups investiert. „In ein Startup zu investieren, das ist mit einer Verpflichtung verbunden, die man als Business Angel wirklich bereit sein muss einzugehen“, sagt Zerbin. Schließlich lassen sich die Geldgeber*innen auf eine intensive, langjährige Zusammenarbeit mit dem Gründerteam ein. Außerdem ist es eine Variante von Investment, die mit einem sehr hohen Risiko verbunden ist. Gerade in den ersten Jahren des Unternehmens ist die Chance hoch, dass die Gründer*innen Insolvenz anmelden müssen und investiertes Kapital verloren geht – nicht umsonst spricht man bei der Investition auch von Risikokapital. Kommt es jedoch zum erhofften Durchbruch, besteht die Chance, seine Anlagen in vergleichsweise kurzer Zeit zu vervielfachen

Ein Beispiel: Frühe „About You“-Investor*innen haben eine gute Entscheidung getroffen. Der Online-Modeversand ist nach seiner Gründung im Jahr 2014 jetzt über 1 Milliarde Euro wert. FlixBus, 2011 noch unter dem Namen GoBus gegründet, ist mittlerweile Marktführer und hat den Status eines „Unicorns“ – einem Startup, dass eine Marktbewertung von 1 Milliarde Euro hat – längst überschritten. In beiden Fällen ging ein Startup-Investment mit hoher Rendite einher. „Natürlich spielt Geld eine wichtige Rolle. Aber was ich vor allem will, ist ein Unternehmen zu finden, bei dem ich selbst sage: Das ist ein tolles Produkt, das finde ich spannend, das ist skalierbar, und ich kann über mein Geld hinaus helfen“, spricht Zerbin über sein Ziel.

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Euro Marktwert wird dem Startup About You zugesprochen

Erste Schritte durch Literatur und LinkedIn

Doch wie fängt man am besten an? Meine Motivation war Neugier. Ich habe erstmal einfach angefangen, im Internet Informationen zu recherchieren.“ Der Münchner stammt aus einer Region, die sich in den vergangenen Jahren neben Berlin als einer der führenden Gründungsstandorte im Land etablieren konnte. Gerade Business Angel-Netzwerke, deutschlandweit agierend z.B. das Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND), aber auch lokale Verbünde sind bei der Suche nach neuen Kontakten, interessanten Startups und Gleichgesinnten nützlich.

Für einen grundsätzlichen Einblick in das Startup-Ökosystem ist des Weiteren das Hinzuziehen von Literatur ratsam. Viele bekannte Business Angel haben in der Vergangenheit Bücher veröffentlicht oder Interviews gegeben, in welchen sie einen Einblick in ihre Philosophie geben. Am häufigsten lassen sich Erfolge und Erfahrungen in der Praxis sammeln: Stichwort Networking. Michael Zerbin nutzte die Möglichkeit, sich über soziale Business-Netzwerke auszutauschen. „Ich habe über LinkedIn Kontakt zu anderen Business Angel gesucht. Manche hatten ebenfalls Lust, sich auszutauschen. Umgekehrt wurde auch ich manchmal kontaktiert – häufig durch Startups.“

Für viele Regionen gibt es lokale Business Angel Netzwerke, die sich über Mitgliederverzeichnisse und Internetrecherche ermitteln lassen. Des Weiteren ist die Kontaktaufnahme zum bundesweiten Business Angels Netzwerk Deutschland hilfreich! Ein interessantes Format für den Einstieg in die Startup-Welt ist z.B. BANDakademie. Dort vermitteln verschiedene Veranstaltungen Expertenwissen und nützliche Ansprechpartner*innen.

Je nach Schwerpunkt des Erkenntnisinteresses finden sich zahlreiche Ratgeber in Schriftform. 

LinkedIn ist ein soziales Netzwerk, das in erster Linie dazu dient, berufliche Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Viele bekannte, erfolgreiche Business Angels sind auf der Plattform präsent und lassen andere an ihrem Alltag, Gedanken und ihrer Expertise teilhaben. Dazu gehören z.B. die Investoren Frank Thelen und Carsten Maschmeyer.

Präsenz- und Online-Veranstaltungen machen es Neueinsteigern leicht, Gleichgesinnte kennenzulernen und auf neue Startups zu treffen. Welche ist die richtige, um die eigenen Ziele und Schwerpunkte zu treffen? In einer weiteren Folge des „Business-Angel-Guide“ finden sich Kriterien, um die perfekte Veranstaltungsauswahl zu treffen.

Außerdem sucht er nach passenden Veranstaltungen, um Unternehmen kennenzulernen und sich ihre Pitches, also kurze eindrückliche Präsentationen ihrer Geschäftsidee, anzusehen. Mit dem Investforum Pitch-Day in Magdeburg stand im September 2020 erstmals ein Präsenzveranstaltung auf dem Plan. „Ich wollte mich begeistern lassen und Eindrücke sammeln“, erzählt er. Und es kam noch besser: Mit Die Frischemanufaktur fand sich auf der Pitch-Veranstaltung ein Startup aus Halle (Saale), von dem der Business Angel überzeugt ist, sein Kapital gut zu investieren und darüber hinaus ein hilfreicher Begleiter zu sein. „In einer der Pausen war ich am Stand der Frischemanufaktur. Ich habe das Produkt gesehen, probiert und fand es interessant, auch weil es sich um ein Konsumgut handelt, bei dem es viel um klassische Vertriebsregeln geht.“ So ebnet sich für den Business Angel der Weg zu seinem ersten Angel-Investment – schneller als gedacht.

Fotos (2): Unrau Fotografie

Herausforderung mit Abwechslung

Mit seinem Engagement als Business Angel verbindet der Münchner ein Stück weit wichtige Lebenserfahrung. Das Investment in Die Frischemanufaktur war für Michael Zerbin erst der Anfang. Für weitere Investments ist er mittlerweile in einem Zusammenschluss mit anderen Business Angeln organisiert, in einem Startup stieg der Unternehmer als Co-Gründer ein.

Ich habe fast 20 Jahre in einem großen Konzern gearbeitet, auch in diesen Strukturen international agiert. An der Startup-Szene finde ich faszinierend, Menschen kennenzulernen, die für ihre Idee brennen und etwas voranbringen wollen. Und aus diesem Grund nicht mit konventionellen Methoden eines Konzerns arbeiten, sondern schnell entscheiden, schnell losgehen und immer wieder neue, klare Ziele haben. Ich kam aus dem Konzern raus und bin in einer für mich spannenden, neuen Welt gelandet.

Seine Erfahrung macht deutlich: Ein Startup-Investment ist eine herausfordernde und gleichzeitig vielfältige Form der Geldanlage. Sie ist längst nicht mehr nur ausgewählten Großinvestor*innen vorbehalten. Stattdessen bieten bereits die Leidenschaft am Unternehmertum, die Offenheit dazu zu lernen und spezifisches Branchen-Knowhow eine gute Basis, um als Business Angel erstmalig durchzustarten.

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