Magdeburger Simulationstool auf Erfolgskurs

Spieldesigner können Ideen leichter umsetzen, Katastrophen realistisch simuliert, technische Geräte virtuell getestet werden. Dank des Simulationstools Polarith AI funktioniert das alles ohne aufwändigen Programmierungsprozess.

Es lohnt sich, nicht so schnell aufzugeben: Das zeigt die Erfolgsgeschichte des Startups Polarith aus Magdeburg. Als vom EXIST-Gründerstipendium eine Absage kam, war für Martin Kirst der Traum der Existenzgründung noch nicht vorbei. Stattdessen versuchte er es auf seiner Suche nach Investoren beim Land Sachsen-Anhalt. Dieses Mal mit Erfolg. Aus dem ego.-Start-Programm erhielten Kirst und seine beiden Mitstreiter Franz Pieper und Chris Taggeselle ein Gründerstipendium in Höhe von 108 000 Euro. Das gab im Jahr 2015 den Startschuss für die Arbeit an einem digitalen Baukastensystem, das den aufwendigen Prozess des Programmierens von simulativer künstlicher Intelligenz zum großen Teil automatisiert. Entsprechendes Know-how eignete sich Martin Kirst bereits während seines Studiums mit den Schwerpunkten Bilderzeugung und Bildverarbeitung und später auch als Softwareingenieur am Fraunhofer Institut an. Während eines Forschungsprojekts im Bereich Simulation und Computerspiele entstand dabei die Idee zu Polarith AI. Mittlerweile hat das 2016 gegründete Unternehmen einen stabilen Umsatz zu verzeichnen und beschäftigt fünf weitere Mitarbeiter.

Von Spieldesign bis zu selbstfahrenden Autos

„Mit dieser künstlichen Intelligenz lassen sich ganz einfach virtuelle Simulationen erstellen“, erklärt Martin Kirst den Nutzen des Tools Polarith AI. Die Zielgruppe ist vielseitig: Polarith bringt durch die Eingabe verschiedener Parameter völlig unterschiedliche Effekte hervor. Die Software macht komplexes Forschungsmaterial praktikabel und somit intuitiv für die Industrie nutzbar, Anwendern sparen Zeit und vor allem Kosten. Entwicklern simulativer Umgebungen wie Spieldesignern profitieren von Polarith, indem ihnen das Kreieren computergesteuerter Entitäten, zum Beispiel von Fahrzeugen in einer Verkehrssimulation, erleichtert wird. Nutzer können sich mehr auf den Designprozess konzentrieren – und weniger auf das Programmieren.

Große Industriepartner aus Sachsen-Anhalt

Durch die Arbeit der Gründer entstand nicht nur ein nützliches Tool, sondern auch die Quelle für neue Erfahrungen und Fähigkeiten im Bereich Software-Architektur, Simulation und künstliche Intelligenz. Davon profitiert das Team seit mehr als anderthalb Jahren bei der Zusammenarbeit mit der Lehnert Regelungstechnik GmbH aus Magdeburg. Die Experten unterstützen das Unternehmen bei den Umsetzungen seiner Forschungen zur Pendeldämpfung bei Kranen. Zunächst nur für Simulationszwecke, später auch in direkter Beteiligung an der Softwarenentwicklung für den LENNIX®-Controller, das System, das die Schwingungen der Last am Kran reguliert. Mittlerweile wurde eine weitere Kooperation mit einem großen Industriepartner aus Sachsen-Anhalt geschlossen, heißt es von Martin Kirst.

Mehr Interesse von Spielentwicklern

Dennoch betont der Magdeburger, dass der Schwerpunkt weniger auf der Serviceleistung und mehr auf dem Vertrieb ihres Produktes über Plattformen wie zum Beispiel unity.com liegt. Momentan fokussiert sich das Team mit Polarith AI darauf, Anwendungen und Software für die Industrie zu schaffen. Langfristig wünscht sich der Geschäftsführer aber, auch Kunden außerhalb der Industrie mit dem Produkt erreichen. Für kleinere Spiele wurde das Tool bereits genutzt. Für große Produktionen im Bereich Spieldesign müsste die Software optimiert werden, was durch einen Investor möglich wäre.  Um auf dem Markt zusätzlich an Bekanntheit zu gewinnen, stehe nun der Aufbau einer Marketingabteilung auf der Agenda. „Außerdem soll das Tool Polarith AI weiter optimiert werden“, so Kirst. Ziel ist es, dass alle Programmierungsprozesse für den Nutzer vollkommen überflüssig werden. Eine Möglichkeit, dieses Großprojekt umzusetzen, wäre für das Startup auch in diesem Fall ein Investor.

„Der Investforum Startup-Service war uns eine große Hilfe.“

Das Startup aus Magdeburg hat den Weg in die Selbstständigkeit erfolgreich bestritten. Auch, weil die drei Gründer dabei auf große Unterstützung zurückgreifen konnten, ist Martin Kirst überzeugt. „Der Investforum Startup-Service war uns bei der Suche nach Partnern und beim Coaching für ein sicheres und kompetentes Auftreten eine große Hilfe“, merkt der Gründer an, der mit seiner Geschäftsidee auch auf dem Pitch-Day 2017 vertreten war. Unerlässlich seien auch starke Partner aus dem kaufmännischen Bereich, da der betriebswirtschaftliche Anteil bei der Gründung eines Unternehmens keine unerhebliche Rolle spiele.

Website Polarith: https://polarith.com

Redakteurin: Melanie Friedrichs, Univations GmbH / Investforum Startup-Service

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