Die DENKweit-Gründer: Dr. Dominik Lausch (v.l.), Dr. Kai Kaufmann und Markus Patzold. Foto: Technologie- und Gründerzentrum Halle

Mit elektrischen Strömen weiter denken

Solarzellen sind auf fast jedem Dach zu finden – sind sie defekt, wird es teuer. Um dagegen vorzubeugen, könnten Solarmodulhersteller auf der ganzen Welt nun von der schlauen Idee eines Physikers aus Halle profitieren.

Ein Solarmodul besteht aus mehreren Solarzellen, die miteinander verbunden sind. Funktioniert eine Verbindung nicht, ist das Resultat ein Totalausfall des Moduls. Ein mühsamer Prozess der Problemfindung beginnt. Als Dr. Dominik Lausch bei einem Vortrag auf diese Problematik aufmerksam wurde, kam ihm sofort ein Lösungsansatz in den Sinn. „Ich war verwundert, dass darauf noch niemand gekommen war“, sagt er im Rückblick, denn die nachträgliche Recherche zeigte, dass er ganz offensichtlich der erste mit diesem Einfall war. Seine Idee: Der Strom, der durch die Solarzellen fließt, erzeugt ein Magnetfeld. Ändert sich dieses Magnetfeld, lassen sich Rückschlüsse auf den Defekt in dem Solarmodul ziehen. Die innovative Methode, berührungslos elektrische Ströme, ihre Richtung und Stärke in Echtzeit zu messen, legte damit den Grundstein für das Startup DENKweit.

In acht Versuchen Richtung Ziel 

Die Daten des dreidimensionalen Magnetfeldes werden durch einen Sensor erfasst und anschließend von einem selbstlernenden neuronalen Netz automatisch ausgewertet. Auf Grundlage dieser künstlichen Intelligenz können Fehler bereits in der Produktion erkannt und behoben werden. Allerdings kann der Sensor auch in Feldanalysen zum Einsatz kommen – es kommt ganz darauf an, in welchem Anwendungsbereich er integriert wird. So wird er die Solarmodulhersteller weltweit auf vielseitige Art entlasten können.

Nicht nur der Physiker erkannte das Potential dieses Gedankens. Gegen 80 andere Teams setzte sich DENKweit im Jahr 2017 durch und erhielt eine Förderung in Höhe von rund einer Million Euro durch die Fraunhofer Gesellschaft. Für diese war Dominik Lausch kein Unbekannter – nach seiner Promotion am Halleschen Institut wurde er mit dem Aufbau und der Leitung eines Teams im Bereich der Solarforschung betraut. Dem gehörten auch Markus Patzold und Dr. Kai Kaufmann an, die sich Lausch als weitere Gründer für die DENKweit GmbH ins Boot holte.

Doch nicht alles lief während der Entwicklungsphase komplett reibungslos. Acht Versuche waren nötig, bis in Zusammenarbeit mit weiteren erfahrenen Experten im März 2018 der erste funktionsfähige Sensor fertiggestellt werden konnte. Um eine fortlaufende Optimierung zu gewährleisten, wird der in Betrieb genommene Prototyp bereits von vielen Unternehmen getestet.

Begegnungen auf Augenhöhe

Der 19. September 2018 geht als Gründungstag in die junge Geschichte von DENKweit ein. Mittlerweile sind in dem Startup neben den drei Gründern drei Mitarbeiter und vier studentische Hilfskräfte aus den Feldern Physik, Wirtschaftsinformatik und Design tätig. In der Entscheidung als Gründungsstandort die Stadt Halle zu wählen, sieht Lausch viele Vorteile. „Halle ist für mich eine Stadt der kurzen Entscheidungswege. Zudem erfahren wir oft eine Begegnung auf Augenhöhe“, sagt der junge Mann, der die Stadt zu seiner Wahlheimat gemacht hat. Hinzu kommt die Tatsache, dass alle größeren Forschungsinstitute in der Händelstadt ansässig sind. Auch die guten Programme zur Unterstützung junger Unternehmensgründer weiß Lausch zu schätzen. Vielen von ihnen fehle vor allem das betriebswirtschaftliche Know-how. Dies erhielt DENKweit in der Anfangsphase auch durch den Investforum Startup-Service der Univations GmbH. Während des Pitch-Days 2017 präsentierte sich das Startup möglichen Investoren und der Öffentlichkeit. Besonders hebt Lausch auch das AIMS-Programm hervor, welches nötige betriebswirtschaftliche Grundlagen vermittelt.

Dominik Lausch auf dem Investforum Pitch-Day 2017
Dominik Lausch auf dem Investforum Pitch-Day 2017

Vergrößerung geplant

Ist die Testphase erfolgreich abgeschlossen, rechnet Dominik Lausch mit einer hohen Nachfrage nach der innovativen Technologie. Er nennt für sein Produkt Abnehmer wie den weltweit größten Produzenten von Solarzellen aus Südkorea, Hanwha Q Cells und spricht von einem enormen Wachstumspotential. Neben der finanziellen Unterstützung durch die Fraunhofer Gesellschaft und einen Privatinvestor erhielt DENKweit jüngst auch einen Zuschuss durch das ego.-START-Programm des Landes Sachsen-Anhalt. Ob das junge Unternehmen homogen wachsen oder doch auf Fremdkapital setzen wird, soll noch entschieden werden, heißt es von Lausch. Dies soll zudem in die Weiterentwicklung des Support- und Service-Bereichs für Kunden fließen. Weiterhin strebt das Team an, sich zu vergrößern und ist auf der Suche nach geeigneten Ingenieuren und Informatikern. Für diese Vergrößerung fehlen aktuell aber noch die passenden Büroräume.

Offen für das Feedback von außen

Trotz kleinerer Hürden ist DENKweit bisher ein Vorzeigebeispiel für die Gründung eines Startups. Erst Ende 2018 wurden sie in der Kategorie „Innovativste Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle“ mit dem Hugo-Junkers-Preis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet. „Wir haben bisher unfassbar viel gelernt, wissen dennoch, was wir wollen und waren immer sehr offen für das Feedback von außen“, erklärt sich Lausch den Erfolg und gibt dies auch anderen Existenzgründern mit auf den Weg. Damit sollte es auch mit seinem langfristigen Wunsch klappen: „Wir möchten zu einem der führenden Unternehmen werden, dass moderne Sensorik und künstliche Intelligenz miteinander verknüpft.“

www.denkweit.com

Redakteurin: Melanie Friedrichs, Univations GmbH / Investforum Startup-Service

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